Vreni Peterer, Präsidentin der Interessensgemeinschaft für missbrauchsbetroffene Menschen im kirchlichen Umfeld, im Fadegrad-Podcast.

Nach Missbrauch: «Die Angst ist in mir eingebrannt»

Content-Note: In dieser Podcastfolge geht es um sexuelle Übergriffe und um Missbrauch von spiritueller Macht im kirchlichen Umfeld. Diese Themen können starke Reaktionen auslösen. Bitte sei achtsam. Hilfe für Betroffene von Übergriffen gibt es zum Beispiel bei der Opferhilfe.

Vreni Peterer war 10 Jahre alt, als sie ein römisch-katholischer Priester vergewaltigte. «Er drang von hinten in mich ein. Den Schmerz spüre ich heute noch, wenn ich davon erzähle», sagt sie.

Lange habe sie nicht verstanden, wie sehr dieser Übergriff ihr Leben geprägt hatte. Das Geschehene hatte sie verdrängt und nicht gewagt, sich jemandem anzuvertrauen. Erst nach einem Zusammenbruch lernte sie, über ihre Vergangenheit zu sprechen.

Höre Teil 1 über die Geschichte von Vreni Peterer

In Teil 1 der Fadegrad-Podcastfolge erzählt Vreni Peterer vom sexuellen Übergriff durch einen Priester, welche Auswirkungen die sexuelle und spirituelle Gewalt auf ihr Leben hatte und wie sie herausfand, dass die Kirche den Täter schützte. Sie erzählt auch, welche Erfahrungen sie machte, als sie sich dem Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe des Bistums St.Gallens anvertraute und Akteneinsicht bekam.

01:11 Vorstellung Vreni Peterer
02:18 Die Übergriffe
07:35 Die Auswirkungen der Übergriffe
16:24 Die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs

«Das ganze Dorf wusste davon»

«Weil er den Mädchen im Religionsunterricht zu nahe gekommen ist», war der Priester bereits in den 1950ern zu einer viermonatigen Haftstrafe verurteilt worden, allerdings nur bedingt. Ein Jahr lang war es ihm verboten, zu arbeiten. «Doch auf sein Bitten und Drängen hin, bekam er wieder eine Anstellung in einer Pfarrei. «Er schrieb, er habe eingesehen, dass er einen Fehler gemacht habe. Daraufhin wurde er in unser Dorf geschickt», so Vreni Peterer im Fadegrad-Podcast. Dort vergewaltigte er das erst 10-jährige Mädchen.

Er drohte mir, dass ich in die Hölle käme, wenn ich jemandem davon erzählte. Diese Angst ist bis heute in mir eingebrannt.

Vreni Peterer erzählte niemandem von der sexuellen Gewalt. Geglaubt hätte ihr sowieso niemand, ist sie überzeugt. «Ausserdem war der Priester auch gleichzeitig Schulpräsident und konnte mitreden, wer in die Real- und wer in die Sekundarschule durfte.» Die Wackelkandidatin durfte später auf die Sekundarschule. «Das war der teure Preis für mein Schweigen.»

Der Priester konnte sein Doppelleben bis zu seinem Tod weiterführen. Das ganze Dorf wusste davon, aber niemand hat etwas gesagt. Man hätte so viel Leid verhindern können, wenn die Erwachsenen reagiert hätten und sich getraut hätten, etwas gegen den Pfarrer zu sagen.

Höre Teil 2 über Kirche und Missbrauch in der Schweiz

Heute präsidiert die 62-Jährige die Interessensgemeinschaft Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld (IG-MikU). In Teil 2 der Fadegrad-Podcastfolge spricht Vreni Peterer über die Pilotstudie zum Thema Missbrauch in der Schweizer Kirche, die am 12. September 2023 erscheinen wird. Ausserdem zieht sie ein erstes Fazit ihrer Zeit als Präsidentin der IG-MikU, und erklärt, warum es eine kirchlich unabhängige Anlaufstelle für Betroffene braucht.

01:04   Einführung ins Thema

02:05   Was kann Betroffenen helfen?

05:58   Fazit der Zeit als Präsidentin der IG-MikU

08:01   12.September – Pilotstudie sexueller Missbrauch im kirchlichen Umfeld

10:26   Warum es wichtig ist, dass Betroffene sich melden

Pilotstudie zum Thema sexueller Missbrauch in der Schweizer Kirche

Am 12. September 2023 erscheint die erste Pilotstudie zum Thema sexueller Missbrauch in der Schweizer Kirche. Der Schlussbericht dieser Vorstudie wird nur die Spitze des Eisbergs aufdecken. Die Kirche hat bereits eine weitere dreijährige Studie in Auftrag gegeben, damit das Forscherteam der Uni Zürich die gesichteten Quellen detailliert auswerten kann.

Interessensgemeinschaft für missbrauchsbetroffene Menschen im kirchlichen Umfeld

Die Interessensgemeinschaft setzt sich dafür ein, dass körperlicher sowie seelischer Missbrauch im kirchlichen Umfeld benannt und nicht vertuscht werden.

Die IG-M!kU fordert, dass:

  • die Kirche für Folgen von Missbrauch die Verantwortung übernimmt.
  • Betroffene professionell begleitet werden.
  • Missbrauchstäter aus kirchlichen Tätigkeiten ausgeschlossen werden.

Anlaufstellen für Missbrauchsbetroffene

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4 Anmerkung zu “Nach Missbrauch: «Die Angst ist in mir eingebrannt»

  1. Pingback: IG M!kU: Podcast mit Vreni Peterer - Gleichwürdig

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